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Das "unendlich viele Affen Theorem"

Um zu demonstrieren, wie man sich die Wahrscheinlichkeit vorstellen kann, die ein zufälliger und blinder Prozesses von Mutation und Selektion benötigt, um ein komplexes System in der Natur entstehen zu lassen, sei es ein Organ (z. B. Blutgerinnungssystem beim Menschen) oder ein Lebewesen (z. B. Säugetiere) haben Mathematiker und Biologen sich ein Theorem ausgedacht. Dieses soll als "unendlich viele Affen Theorem" die Wahrscheinlichkeit darstellen, die in der Natur einzukalkulieren ist, wenn man die Vorstellungen der Evolutionstheoretiker zu Grunde legt. Es lässt sich nicht bestreiten, dass mathematisch gesehen eine unendliche Anzahl von Affen in einer unendlichen Zeit mit Millionen von Schreibmaschinen, auf denen sie herum klimpern, irgendwann den Text von Hamlet zu Stande bringen. Doch ebenso sicher ist die Feststellung, dass es keine zuverlässige Voraussage darüber gibt, wann ein Heer von Schimpansen, dessen Zahl kleiner ist als unendlich, auch nur den halben Umfang des Textes von Hamlet( ca 70 000 Wörter) produzieren kann. Wahrscheinlichkeitsberechnungen dieser Art führen dazu, dass die Evolutionstheorie mit ihren Voraussagen im Konjunktur verharrt ("es könnte sein", " möglicherweise", "vermutlich..."). Ohne die Möglichkeit einer Voraussage erfüllt die Evolutionstheorie jedoch nicht den Anspruch jeder gültigen naturwissenschaftlichen Theorie, nämlich Vorgänge der Natur sicher vorhersagen zu können.

Affe
Ist es möglich, dass unendlich viele Affen, die mit Schreibmaschinen und unendlich viel Zeit ausgestattet sind, das Wort "Banane" schreiben können?
Das sogenannte "unendlich viele Affen Theorem" ist inzwischen mit vielen Variationen von Mathematikern weiterentwickelt worden. Es geht von einer unendlichen Anzahl von Affen aus, die unendlich viel Zeit zur Verfügung haben, um etwas Sinnvolles zu produzieren, etwa einen Vers in einem Gedicht von Goethe oder einen Begriff oder ein Wort.
Es ist eine Binsenweisheit, dass bei unendlich vielen Affen, denen unendlich viel Zeit gegeben wird, die Wahrscheinlichkeit sehr groß ist, dass sie das Wort "Banane" zu Stande bringen.
Aber schon bei 100 Milliarden Affen reduziert sich die Wahrscheinlichkeit auf 0,17 Prozent, dass einer dieser Affen schon beim ersten Versuch das Wort "Banane" korrekt tippt.

Wenn der gesamte Text des Hamlet von 100 Milliarden Affen korrekt getippt werden sollte, so ist diese Aufgabe unmöglich zu erfüllen, und zwar aus zwei Gründen: zum einen ist bei einem Text von mehr als 130.000 Buchstaben die Wahrscheinlichkeit so minimal, dass sie sich in menschlichen Begriffen kaum mehr ausdrücken lässt. Und zum anderen ist zu bedenken, dass die dabei zufällig entstehenden sinnvollen Texte ohne jeden schöpferischen Wert sind, da sie in einer unvergleichlich höheren Anzahl nicht sinnvoller Texte untergingen. Dabei werden die Affen auch beispielsweise jeden beliebigen Text mit jeweils allen denkbaren orthographischen oder inhaltlichen Fehlern niederschreiben. Es wäre dann unmöglich, die sinnvolleren von den nicht sinnvollen Varianten im Ganzen zu unterscheiden, ohne den Text in der richtigen Fassung ohnehin schon zu kennen " (aus Enzyklopädie Wikipedia, Unendlich viele Affentheorie, www.Wikipedia.de).

In diesem Zusammenhang ist ein Zitat von Gian Carlo Rota interessant: "wenn der Affe in der Lage wäre, jeweils einmal pro Nanosekunde eine Taste zu drücken, dann würde die Wartezeit, bis er den gesamten Hamlet vollendet hat, einen solch großen Zeitraum umfassen, dass das geschätzte Alter des Universums im Vergleich dazu unbedeutend wäre. ... Nicht gerade eine praktikable Methode, um Theaterstücke zuschreiben." Im Vergleich zum Hamlet mit ca. 130.000 Wörtern hat das menschliche Genom 3,4 Milliarden Buchstaben, von denen schon wenige dieser Buchstaben, die hintereinander folgen, eine bestimmte Bedeutung haben können, ähnlich einem Wort im Text des Hamlet.

Das Würfelspiel der Evolution - eindimensional oder mehrdimensional?

Die Autoren Meyer/Markl haben in dem bereits erwähnten Artikel dem Theologen Schockenhoff vorgeworfen, dass er in seinem Beitrag in der FAZ vom 27. August 2005 "ein grundfalsches Argument" in der Wahrscheinlichkeitsrechnung eingeführt habe. Er habe nämlich behauptet, dass das Alter unseres Universums nicht ausreichen würde, um selbst das relativ kleine Genom des Darmbakterium Escherichia durch Würfeln entstehen zu lassen. Doch die von Meyer/Markl präsentierte Gegenrechnung wird der Wirklichkeit nicht gerecht.

Meyer und Markl setzen auf den Optimismus eines Lottospielers, der es immer wieder versucht, sechs Richtige im Lotto zu spielen. Den Einwand, dass ein solches Lotteriespiel in der Natur zu lange dauern könnte, lässt man nicht gelten. Denn man verweist auf die Tatsache, dass in großen Populationen von Lebewesen Millionen von Spielern immer wieder dasselbe versuchen. Warum sollte nicht einer dieser Akteure zu einem bestimmten Zeitpunkt mit einer zufälligen Mutation Erfolg haben, sodass die Natur ein Schrittchen weiter kommt? "Trial and Error" wird der Prozess genannt, der sich in der Natur immer wieder abspielt und den blinden Zufall befähigen soll, neue Lebensformen hervorzubringen, und zwar immer dann, wenn ein erfolgreicher Coup den Akteuren in der Natur gelungen ist. So entstehen neue Merkmale, wie etwa die längeren Schnäbel bei den berühmten Darwinfinken, oder die längeren Hälse bei Giraffen. Ihre neuen Merkmale oder Eigenschaften können die Lebewesen an die nachfolgende Generation weitergegeben, während andere Artgenossen auf der Strecke bleiben. Sie bleiben zum Status Quo verurteilt und müssen möglicherweise ihren Misserfolg beim Lotteriespiel der Natur mit ihrem eigenen Untergang bezahlen. Das Ganze ist natürlich ein Prozess ungeheurer Verschwendung an Energie und Zeit. Und wenn manche Evolutionstheoretiker davon ausgehen, dass ein solch blinder Prozess der Evolution auch mit der Vorstellung verbunden sein kann, dass ein göttlichen Schöpfer über all diesem Walten schwebt, ohne sich in das Geschehen der unteren Gefilde einzumischen, so erscheint es doch einem kritischen Zeitgenossen, mag er nun an Gott glauben oder nicht, einigermaßen bedenklich, dass dem allwissenden Schöpfergott nichts Besseres eingefallen ist, als die Natur dem blinden Schicksal von Versuch und Irrtum zu überlassen. In diesem Fall hätte der Schöpfergott auch den Tatbestand hinnehmen müssen, dass als Folge der unzähligen vergeblichen Versuche in dem Zufallsspiel von Trial and Error der Kosmos des Lebendigen mit einer Masse von biologischem Müll belastet würde, dessen Umfang sich nicht berechnen lässt.

Grundsätzlich ist nichts dagegen einzuwenden, dass Gott in der Evolution der Lebewesen auch mit dem Zufall arbeitet. Doch wenn man dies annimmt, so doch unter der Voraussetzung, dass hinter allem Geschehen, auch dem zufälligsten die Absicht des Schöpfers steht, den Kosmos der Lebewesen so zu gestalten, dass jedes einzelne Lebewesen auch seinen Zweck erreichen kann: die Blattschneider Ameise, indem sie genügend Blätter auf Bäumen vorfindet, die für ihr Überleben notwendig sind, oder der Fisch im Wasser, der genügend Sauerstoff über seine Kiemen einatmen kann, dank der sauerstoffproduzierenden Algen und des Planktons, um existieren zu können, und der Käfer, der Pillendreher genannt wird, weil er in der Lage ist, mit dem in ausreichender Menge herumliegen Kot anderer Tiere große Kugeln zu drehen, die er vor sich her rollt, um sie in irgend einem Loch oder einer Höhle verschwinden zu lassen, als Nahrung für die Nachkommen. Wenn einige Forscher meinen, wie der Physiker Muschke in einer Fernsehsendung mit dem Thema "Ist die Evolution mit der Schöpfung vereinbar?" (NDR, Nov.05), dass die Welt möglicherweise auch von einem Teufel geschaffen sein könnte, so stellt er eine metaphysische Behauptung auf, die sich nicht beweisen lässt. Aber immerhin spricht die Zweckhaftigkeit der Lebewesen, die sich überall beobachten lässt, gegen diese These.

Für die Evolutionstheoretiker Meyer und Markl kann man sich die Natur und ihre Evolution als ein zweifaches Würfelspiel vorstellen. Einerseits ist das Universum ein großes Würfelspiel mit Gott als Spieler, der nach dem Big Bang die Welt den Gesetzen der Physik und Chemie überlassen hat (in diesem Falle wären dann auch die sogenannten Naturkonstanten wie Schwerkraft, Licht, Temperatur, träge und schwere Masse), auch ein Ergebnis göttlichen Würfelspiels (" das Universum spielt seit 14 Milliarden Jahren Lotterie", Coyen). Und andererseits betätigen sich alle Lebewesen nach dem Zeitpunkt, als erstmalig das Leben entstanden ist, als Würfelspieler, indem sie sich dem blinden Zufall der Mutationen und der Selektionsprozesse überlassen ("ein Schöpfer gewährt Entwicklungsfreiheit", Meyer/Markl). Dabei gehen die Evolutionstheoretiker von der irrigen Vorstellung aus, dass man sich dieses Lotteriespiel in der Natur als eindimensionalen Vorgang vorstellen könnte, wie beim Ausfüllen eines Lottoscheins. Denn in diesem Falle wird jede der 6 Zahlen willkürlich angekreuzt. Die Reihenfolge, in der die Zahlen angekreuzt werden, spielt keine Rolle. Denn das Ergebnis eines Lottospiels mit sechs Zahlen hat in seiner Bedeutung nichts damit zu tun, in welcher Reihenfolge die Zahlen gewürfelt worden sind.

In der Natur spielt sich aber das Lotterie spielen, wenn es überhaupt stattfindet, nicht eindimensional, sondern mehrdimensional ab. Das bedeutet, dass der zeitliche Faktor eine entscheidende Rolle beim Zustandekommen von komplexen Systemen spielt. Betrachten wir noch einmal das schon erwähnte Blutgerinnungssystem beim Menschen. Bei diesem System kommt es nicht nur darauf an, dass alle 12 Faktoren dieses Systems durch Mutationen irgendwann entstehen. Denn ein System mit einer geringeren Anzahl der Faktoren ist völlig wirkungslos. Es kann nicht seinen Zweck erreichen. Daher kann man sich das Zustandekommen eines solchen Systems, wenn es überhaupt durch zufällige Mutationen entstanden sein soll, nur so erklären in, dass bei der Produktion der Faktoren von 1 bis 12 eine bestimmte Reihenfolge eingehalten wird. Denn die Wirksamkeit des gesamten Systems hängt von einer Hierarchie ab, die in den Genen verankert ist. Dies bedeutet, dass die einzelnen Faktoren nacheinander in einer bestimmten Reihenfolge in Aktion treten. Ohne diese Hierarchie können die einzelnen Faktoren nicht ihrer volle Wirksamkeit entfalten. Eine Wunde oder eine Verletzung in einem Gewebe kann nur dann in wenigen Minuten verschlossen oder repariert werden, wenn alle Faktoren in der richtigen Reihenfolge ihre Aufgabe erfüllen können. Es nutzt also nichts, wenn durch Mutation der Faktor sieben nach dem Faktor drei und vier (biochemische Verbindungen) entstanden ist. Denn noch fehlen die Faktoren 1 und 2 sowie die Faktoren 5 und 6. Es ist in der Tat schwer vorstellbar, wie ein solches komplexes System durch zufällige Mutationen entstanden sein könnte. Am ehesten lässt sich noch die Vorstellung logisch nachvollziehen, dass die Faktoren von 1 bis 12 nacheinander produziert werden, wie das wahrscheinlich auch bei der Entwicklung des menschlichen Embryos der Fall ist. Denn nur dann kommt es auch zu einem System, das als Ganzes wirksam werden kann.

Wenn man dies mit einem Lottospiel vergleicht, so müsste das richtige Ergebnis auch davon abhängen, dass die Zahlen in einer bestimmten Reihenfolge auf dem Tippzettel angekreuzt werden. Um dies kenntlich zu machen, müsste der Lottospieler hinter jeder Zahl, die er angekreuzt hat, eine andere Zahl setzen, die angibt, in welcher Reihenfolge er die Zahl gesetzt hat. Hinzu käme die Schwierigkeit, dass es sich beim Blutgerinnungssystem des Menschen nicht nur um 12 Zahlen handelt, die wie beim Lotto aus 49 Zahlen auszuwählen sind, sondern um weit mehr Zahlen. Zwar ist die Zahl der Faktoren, die als biochemische Verbindungen für die Blutgerinnung verantwortlich sind, 12. Doch als mögliche Kandidaten kommen weit mehr Faktoren bei einem Würfelspiel in Frage. Denn es müssen ja noch eine Reihe von Proteinen und Enzymen mit ausgewählt werden, sodass wahrscheinlich die richtigen 12 Faktoren aus einer Gesamtzahl von einigen 100 auszuwählen sind. Und das noch in der richtigen Reihenfolge. Eine schwierige Aufgabe, einen Volltreffer zu landen.

Bei einem derartigen Lottospiel wäre die Wahrscheinlichkeit einer richtigen Wette dermaßen reduziert, dass ein solches Lotteriespiel in einem modernen Industriestaat mit 90 oder 100 Millionen Bürgern unmöglich wäre. Denn die Wahrscheinlichkeit, 12 Richtige in der richtigen Reihenfolge aus einer Gesamtzahl von mehr als Hundert Zahlen anzukreuzen, wäre so minimal, dass das Lottospiel seine Attraktivität verlieren würde.

Zufall
In welchem Maße der Begriff Zufall mit falschen Erwartungen überfrachtet wurde, kann jeder leicht feststellen, wenn er versucht mit verbundenen Augen 50 nummerierte Plättchen in die richtige Reihenfolge zu bringen.
Hinzukommt, dass die Entstehung der einzelnen Faktoren solange sinnlos ist, wie nicht auch zugleich zwischen den einzelnen Faktoren die Kommunikationsvorgänge festgelegt und geschaffen werden. Denn diese haben schließlich die Bedeutung, dass die Faktoren des Blutgerinnungssystems in einer bestimmten zeitlichen Reihenfolge aktiviert werden, um ihren speziellen Job zu erledigen. Für die Bestimmung der Wahrscheinlichkeit dieses komplizierten Prozedere gibt es zur Zeit nicht einmal den Ansatz einer mathematischen Berechnung.

Der Evolutionstheoretiker Thomas Waschke hat in einem Internetbeitrag zum Thema "Intelligent Design - eine Alternative zur naturalistischen Wissenschaft?" einen interessanten Vorschlag gemacht, wie man sich das Würfelspiel in der Natur in einer Analogie vorstellen könnte: "Stellen Sie sich vor, Sie möchten mit sechs Würfeln jeweils eine Sechs würfeln. Sie nehmen im ersten Fall bei jedem Versuch alle sechs Würfel und würfeln solange, bis alle Würfel eine Sechs zeigen. Das wäre nach Waschke ein "Ein-Generation-System". Sie müssen die gesamte Ordnung in einer Generation erzeugen. Hier spielt nur der Zufall eine Rolle. (Nur nebenbei sei angemerkt, dass eine Schöpfung in diesem Falle darin bestünde, die gewünschte Folge einfach durch entsprechende Anordnung der Würfel auf den Tisch zu legen). Nun ändern sie ihre Strategie: Sie nehmen nach jedem Wurf alle Sechser heraus und würfeln nur noch mit dem Rest der Würfel. Sie bauen dabei sozusagen auf den Eigenschaften der vorigen Generationen auf (bereits gewürfelte Sechser) und betrachten deshalb ein Mehr-Generationen System. Außerdem haben Sie nun ein Wechselspiel von Mutationen (den gewürfelten Augen) und Selektion (der Auswahl der Sechser) " ( www.gwup.org/skeptiker/archiv/2003/4 ). Es ist eindeutig, dass hier ein Zirkelschluss vorliegt. Denn es wird für den Erfolg dieser Strategie vorausgesetzt, was noch zu beweisen ist. Da Evolutionstheoretiker vielfach den Zirkelschluss einsetzen, um ihre Argumente zu begründen, soll am Beispiel des Würfelspiels, so wie ihn Waschke vorschlägt, demonstriert werden, wie sich dieser logische Denkfehler darstellt. Dem Vorschlag von Waschke liegt folgendes Denkmuster zu Grunde:

Je mehr die Zahl der Würfel im Spiel reduziert wird, desto größer ist die Erfolgschance beim nächsten Würfeln, mit allen Würfeln eine Sechs zu erzielen.

Die Erfolgstrategie besteht darin, nach jeder gewürfelten Sechs nur noch mit den übrigen Würfeln weiter zu spielen, sodass der nächste Wurf auf dem vorangegangenen "aufbaut".

In diesem Falle wird jeder der beiden Sätze durch den anderen " bewiesen ",

Doch dieses Denkmuster lässt sich auf den Vorgang von Mutationen in der Natur nicht übertragen. Denn der Erfolg einer zufälligen Mutation ist nicht schon dann gegeben, wenn beispielsweise beim Blutgerinnungssystem irgend eine beliebige biochemische Verbindungen entsteht. Dies wäre für das ganze System ohne Bedeutung, sodass die nachfolgenden möglichen Mutationen auf diesem "Erfolg" nicht, wie es Waschke formuliert, "aufbauen" könnten. Die Natur kennt bei komplexen Systemen nur eine bestimmte Hierarchie, mit der auch eine zeitliche Reihenfolge bei der Entstehung und beim Wirksamwerden der einzelnen Komponenten gegeben ist. Das Würfeln einer Sechs, die als Zahl immer gleich bleibt, kann nicht verglichen werden mit den unterschiedlichen biochemischen Verbindungen, die bei der Entstehung der Faktoren 1 bis 12 beim Blutgerinnungssystemen eine Rolle spielen . Das Würfelspiel, das Waschke als Analogie anführt, suggeriert die Vorstellung, dass man auch in der Natur davon ausgehen kann, die Mutationen würden auf einer erfolgreichen vorangehenden Mutation "aufbauen" können. Doch auch diese Annahme endet in einem Zirkelschluss:

Jede erfolgreiche Mutation erhöht die Chance, dass die nachfolgenden Mutationen zu weiteren erfolgreichen Ergebnissen führen.

Dies verringert die Zahl der Mutationen, die notwendig sind, um das Ziel zu erreichen, das ganze komplexe System entstehen zu lassen.

Beide Sätze sind notwendig, um die Entstehung komplexer Systeme durch zufällige Mutationen zu erklären. Aber da schon der erste Satz nicht bewiesen ist und nur auf Annahmen beruht, dreht sich das Denken auch hier im Kreise.

Evolutionstheoretiker werden einwenden, dass jeder Entwicklungsschritt als Folge einer Mutation zu "Zwischenstationen" führt, die möglicherweise ihre eigene Überlebensstrategie haben. Aber die Frage bleibt unbeantwortet, ob die erreichte Zwischenstation nicht eine Sackgasse ist, die zum Untergang des ganzen Systems führt. Außerdem spielt sich auch diese Art des Würfelns nur in einer Dimension ab. Daher hat die von Waschke angeführte Analogie keinerlei Erkenntniswert.

Schon Moliere hat in einer seiner Komödien den Zirkelschluss als logischen Fehler verspottet. Bekannt ist das Zwiegespräch zwischen einem Arzt und dem Vater einer stummen Tochter. Der Vater fragte den Arzt: "Warum ist meine Tochter stumm?" Darauf der Arzt: "Das hängt vom verlorenen Sprachvermögen ab". Darauf der Vater: "natürlich, aber sagen Sie mir bitte, aus welchem Grunde hat sie das Sprachvermögen verloren?" Der Arzt antwortet: "Alle unsere besten Autoren sagen uns, dass das vom Unvermögen abhängt, die Sprache zu beherrschen".

Immer wieder werden von Vertretern der Evolutionstheorie Zirkelbeweise verwendet. Dies geschieht in Forschung und Wissenschaft häufig, um "wissenschaftlich nicht haltbare angebliche Tatsachen, aber auch Glaubens- elemente zu beweisen und so Anhänger für eine Idee bzw. Ideologie zu gewinnen "(www.Wikipedia.de)

Wiederum drängt sich der Vergleich mit modernen komplizierten technischen Systemen auf. Bei der Entwicklung dieser Systeme spielt der zeitliche Faktor oft eine entscheidende Rolle. Denn die einzelnen technischen Komponenten, die im Ganzen des Systems miteinander vernetzt sind, hängen in einer Art Hierarchie zusammen. Diese regelt den zeitlichen Ablauf, wie und wann die einzelnen Komponenten aktiviert werden. Beispielsweise verfügt das neue Großflugzeug Airbus 380 über ein Druckausgleichssystem, das eine dreifache Redundanz hat. Das heißt, wenn das erste System ausgefallen ist und Passagiere und Piloten nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden können, wird sofort durch einen Rückkoppelungsmechanismus das zweite Sicherungssystem aktiviert. Fällt dieses aus, so existiert noch ein drittes, das automatisch eingeschaltet wird. Bei der Entwicklung und Montage dieser Systeme wird die zeitliche Reihenfolge strikt eingehalten. Denn es hat keinen Sinn, erst das erste Druckausgleichssystem zu entwickeln und einzubauen und dann das dritte, während das zweite zum Schluss entwickelt und montiert wird. Bei diesem Verfahren kann nicht sichergestellt werden, dass die Hierarchie dieser Systeme auch gewährleistet ist. Mit dieser Analogie kann demonstriert werden, dass eine zufällige Abfolge von Mutationen nicht weiterführt, um sich die Entstehung von komplexen Systemen erklären zu können. Auch die natürlichen Systeme, zumal die hochkomplexen, haben ihre Logik, die sich nicht nach Belieben verändern lässt.

Wie schon gesagt, berücksichtigen die von den Evolutionstheoretikern vorgelegten Wahrscheinlichkeitsberechnungen nur eine Dimension des Würfelspiels. Die zeitliche Dimension wird dabei ausgeklammert. Mit dieser eindimensionalen Betrachtungsweise könnte man möglicherweise die Wahrscheinlichkeit berechnen, in der einzelne Merkmale bei Lebewesen durch Mutationen entstehen, wie zum Beispiel die längeren oder kürzeren Schnäbel der Darwinfinken. Denn bei der Entstehung dieser Merkmale ist ein zeitlicher Faktor von außen nicht erkennbar. Bei komplexen Systemen ist dies grundsätzlich anders. Wenn man die von der Natur her festgelegte zeitliche Reihenfolge des Ineinandergreifens von Lebensvorgängen der Beliebigkeit und dem Zufall überlassen wollte, versagt die Logik, die sich aus der Betrachtung der Zweckbestimmung der Lebewesen herauslesen lässt. Schon vor längerer Zeit ist in der Wochenzeitung "Die Zeit" in einem Artikel von J. Dahl "Bei der Blattwespe versagt die Logik" (1974, Nr.33, August) darauf hingewiesen worden, dass bei manchen Lebewesen eine allmähliche Entwicklung des komplexen Systems mit Zufallsmutationen nicht denkbar ist. In dem Artikel in "Die Zeit" wird dargelegt, dass sich die Blattwespe nur dann zu einem lebensfähigen Organismus entwickeln kann, wenn sie zu einem bestimmten Zeitpunkt auch kleinere Vorratskammern entwickelt, mit denen sie später, wenn sie voll ausgewachsen ist, lebenswichtige Nährstoffe von anderen giftigen Stoffen trennen kann. Nur so ist ihr Überleben gesichert. In diesem Artikel ist vielleicht erstmalig in der Literatur darauf hingewiesen worden, dass sich die Entstehung komplexer Lebewesen ohne Logik nicht erklären lässt. Und Logik hat mit Intelligenz zu tun.

Die Sache mit der Prädestination

Am Schluss ihres kritischen Beitrages versuchen Meyer und Markl noch den Vorwurf mancher Kritiker der Evolutionstheorie auszuräumen, dass ein "blinder Evolutionsprozess" nicht die "Hochkultur der Intelligenz des Homo sapiens" hervorbringen könne, nämlich Geist, Willensfreiheit und moralische Verantwortung . Diese könnten nach Ansicht der Kritiker "nicht auf dem Wege natürlicher Evolution entstanden sein". Doch in dem Artikel wird die Auffassung dargelegt, dass der Schöpfer, wenn man an ihn glaubt, der Natur genügend "Entwicklungsfreiheit" gewährt hat, um beim Menschen die geistige Hochkultur schaffen zu können.

Die Autoren halten die Theorie der Entstehung der Natur "als Fertigprodukt eines Schöpfers" für engstirnigen Kreationismus. Es wird Goethe zitiert, der 1825 zu Eckermann gesagt hat: "sobald wir dem Menschen die Freiheit zu-gestehen, ist es um die Allwissenheit Gottes getan. Denn sobald die Gottheit weiß, was ich tun werde, bin ich gezwungen zu handeln, wie sie es weiß". Das Problem der Prädestination, das hier anführt wird, hat in der christlichen Kirche eine lange Geschichte und geht letztlich auf Augustinus (4.Jh.n.Chr.) zurück. In der römisch-katholischen Kirche sieht man keinen Widerspruch zwischen der Allwissenheit Gottes und der Freiheit des Menschen. Die Lehre des späten Augustinus, wonach es dem Menschen vorherbestimmt ist, erwählt oder verdammt zu sein, wird von der katholischen Kirche nicht akzeptiert. Es liegt an jedem einzelnen, die Gnadengaben Gottes anzunehmen oder nicht. Damit ist die Freiheit des Menschen grundsätzlich anerkannt. Es ist Lehre der Kirche, dass der Mensch, wenn er schon von Gott als freies Wesen erschaffen worden ist, über diese Fähigkeit auch frei verfügen kann, und zwar unabhängig von der göttlichen Vorsehung. Von dieser kann sich der Mensch als endliches Wesen ohnehin keine Vorstellung machen. Der von Meyer/Markl vorgebrachte Einwand, der auf Goethe zurückgeht, ist damit gegenstandslos.

Wasserfall
Die zu beweisende These von der Stimmigkeit der Darwinschen Prinzipien wird von Meyer und Markl aus einer Prämisse abgeleitet (grandioser Schöpfungsplan der Natur), deren Wahrheit selbst noch bewiesen werden muss.
In dem Artikel wird auf die schöpferischen Qualitäten in den natürlichen Kräften der Evolution ("kreativer Evolutionsprozess") hingewiesen. Man spricht von einem "grandiosen Schöpfungsplan der Natur", der die "molekulare Selbstorganisation und deren Weiterentwicklung nach den darwinschen Evolutionsprinzipien ermöglicht" hat. Diese hätten im Laufe von Jahrmilliarden schließlich auch die Entscheidungsfähigkeit des Menschen und damit auch sein moralisches Verantwortungsvermögen hervorgebracht. Doch in dieser Argumentation steckt ein logischer Fehler. Denn es ist eine Petitio Principii, wenn Meyer/Markl die zu beweisende These ( der Kosmos des Lebendigen mit molekularer Selbstorganisation hat sich nach den darwinschen Prinzipien bis zum Menschen entwickelt) aus einer Prämisse ableiten ("grandioser Schöpfungsplan der Natur"), deren Wahrheit erst noch bewiesen werden muss.

In seinem Buch "Der Anfang aller Dinge" geht der Theologe Hans Küng davon aus, dass man einen zielgerichteten Schöpfungsplan aus naturwissenschaftlicher Sicht nicht annehmen muss. Allerdings kann die Naturwissenschaft mit ihren eigenen Methoden dieses Problem auch nicht allein lösen. Andererseits vertritt Küng die Ansicht, dass "der Mensch... in heutiger religiöser Sicht allerdings nicht mehr als die von Gott direkt geschaffenen Krone der Schöpfung" zu betrachten ist. Er ist vielmehr mit Leib und Seele "ein einzigartiges Produkt der Evolution" (Seite 99). Ohne Frage kann sich der moderne Christ, der sich an der Bibel orientiert, nicht mehr ohne weiteres in diesem Weltbild wieder finden, auch wenn Küng erklärt, dass die Religion "die Evolution als Schöpfung" interpretieren kann.

Es lässt Erinnerungen an die Zeit des Kulturkampfes wach werden, wenn die Autoren den Kritikern der Evolutionstheorie vorwerfen, nur Protagonisten einer "beschränkten Theorie" zu sein. Auch in der Evolutionstheorie sollte man sich dazu bekennen, dass diese Theorie wie jede andere der empirischen Überprüfung bedarf - doch daran hat es bisher auf weite Strecken gefehlt.

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