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In der Diskussion um Schöpfung, Evolution und intelligent Design sieht man immer mehr einen Zusammenhang zwischen dem Design im Universum, worunter man die Feinabstimmung unter den sogenannten Naturkonstanten versteht (Gravitation, Lichtgeschwindigkeit,Plancksches Wirkungsquantum, starke und schwache Kräfte im Atom usw.) und der Entstehung des Lebens auf der Erde. Seit einigen Jahrzehnten wird dieser Zusammenhang das anthropische Prinzip genannt. Physiker und Astronomen haben festgestellt, dass schon kleinste Veränderungen im Zusammenspiel der Naturkonstanten, wie zum Beispiel bei der Gravitation oder bei den schwachen und starken Kräften im Atom unabsehbare Folgen für die Entstehung und den Fortbestand des Lebens auf dieser Erde haben würde.
Zwei Feststellungen lassen sich nicht bezweifeln:
1. Naturkonstanten sind in ihrer Feinabstimmung unerklärbar, weil die Grundlagen nicht bekannt sind, aus denen die Naturkonstanten entstanden sind. Nicht einmal die Zahl der Naturkonstanten ist genau bekannt (ca. 26 oder 27, Vergl. Bild der Wissenschaft, 8,2 1006, Ist uns das All auf den Leib geschneidert?, S. 34)
2. Wenn man die Entstehung der Naturkonstanten durch Zufall erklären will und damit einen übernatürlichen Schöpfer leugnet, so läuft die Argumentation auf einen Regress in infinitum hinaus, weil unklar ist, nach welchen Kriterien die Feinabstimmung bewertet werden soll und welche Instanz dafür verantwortlich ist, dass eine bestimmte Feinabstimmung realisiert wird und nicht eine andere. Letztlich ist eine zufallsbedingte Feinabstimmung ein Prozess, der ins Leere läuft, wenn nicht von vorneherein ein Zweck zu Grunde liegt, etwa die Ermöglichung von Leben auf irgend einem Planeten. In diesem Fall müsste auch die Art des Lebens näher definiert werden, das entstehen soll (z.B.Leben auf Kohlenstoffbasis). Die Begründung der zufallsbedingten Feinabstimmung mit einer sogenannten Vielweltentheorie beruht auf Spekulationen, die nicht falsifizierbar sind, d.h. eine solche Theorie lässt sich nicht durch Experimente widerlegen, weil diese undurchführbar sind. Die philosophische Voraussetzung einer solchen Theorie ist die Annahme, dass das Universum ewig ist. Der Begriff Ewigkeit liegt jedoch jenseits der menschlichen Vorstellungskraft. Außerdem steht diese Theorie im Widerspruch zu denen bekannten kosmologischen Erkenntnissen der modernen Physik, dass mit dem Urknall vor etwa 14 Milliarden Jahren Zeit und Raum in unserem Universum ihren Anfang genommen haben.
Weiterhin lässt sich folgendes annehmen: unmittelbar nach dem Urknall müsste eine Optimierung der Feinabstimmung der Naturkonstanten stattgefunden haben, da sonst dieses Universum, das wir beobachten können, nicht entstehen konnte.
Eine Optimierung der Feinabstimmung mit dem Zweck der Ermöglichung von Leben auf der Erde setzt eine universale Vernunft voraus (Schöpfergott). Dabei müssten die Optimierungsparameter von vornherein festgelegt sein, da sie ja auf den Zweck hingerichtet sind,das Leben auf dieser Erde möglich zu machens .Da der biologische Kosmos als ein nicht-lineares System zu betrachten ist,gibt es keine Möglichkeit, die Optimierungsparameter unter kausalen Gesichtspunkten zu bestimmen. Ebenso wenig liesse sich kausal erklären und vorhersagen, dass in der Sahelzone in Afrika in einer bestimmten Periode eine bestimmte Menge Niederschlag zu erwarten ist (nicht-lineares System) Im übrigen: wenn man die Tatsache der Feinabstimmung in unserem Universum an so hinnimmt wie ein Glückslos in einem Lotteriespiel, so bedeutet dies den Verzicht auf jede vernünftige Erklärung. Denn auf diese Weise lässt sich alles und jedes erklären
Wie bereits am Evolutionsmodell von Rechenberg demonstriert worden ist (Vergl. zur Evolutionsstrategie von Rechenberg Kapitel....) scheidet der Zufall als mögliche Ursache einer Optimierung von Entwicklungsprozessen aus, und zwar wegen der zu geringen Wahrscheinlichkeit.
Gleichgültig, ob die Lebensfreundlichkeit gewollt ist oder nicht, in jedem Falle erfordert das Ganze der Bedingungen eine vorgängige Zweckbestimmung, wenn menschliches Leben eine Chance haben soll. Ansonsten bliebe der gesamte Prozess endlos. Das heißt jedoch nicht, dass die Feinabstimmung als solche so etabliert worden ist, damit Leben entstehen kann. Die Absicht, das Leben entstehen soll, liegt noch nicht im Prozess der Feinabstimmung. Sie kann jedoch angenommen werden, da ohne eine Zweckbestimmung die Feinabstimmung sich nicht ohne weiteres erklären lässt, es sei denn, bei der Erklärung werden Glaubensannahmen zu Hilfe übernommen, die sich nicht beweisen lassen, wie zum Beispiel die Vielweltentheorie, wie sich noch zeigen wird.
In jedem Fall ist der Prozess der Feinabstimmung ein Vorgriff auf etwas Zukünftiges, nämlich auf die Entstehung von Leben und intelligentem Leben auf dieser Erde, gleichgültig, wie man diesen Tatbestand interpretiert. Eine atheistische Deutung, wie sie von dem Philosophen Schmidt-Salomon versucht wird, kommt an der Vielweltentheorie nicht vorbei. Damit aber ist der Spekulation ein breites Tor geöffnet.
Da sich aber die Vielweltentheorie als Spekulationen nicht falsifizieren lässt (mit empirischen Experimenten nicht widerlegt war), wird hier eine Tatsache, nämlich der Vorgriff auf etwas Zukünftiges (Entstehung von Leben), mit einer Spekulationen zu begründen versucht, die kleine Tatsache ist. Festzuhalten ist, dass der unbezweifelbare Vorgriff auf die Zukunft mit der Möglichkeit, in Leben entstehen zu lassen, ein entscheidendes Kriterium vorn intelligent Design ist, das auch in komplexen biologischen Systemen auftaucht und vielfach nachgewiesen werden kann (vgl. Kapitel).
Wenn der Zufall als letzter Grund für die Entstehung der Feinabstimmung ausscheidet, da diese nach einer Berechnung des Mathematikers Penrose bei 1:10 hoch 10 hoch 123 und damit das Limit von 14 Milliarden Jahren überschreiten dürfte, ist die Feinabstimmung ohne Zweckbestimmung nicht mehr denkbar, die dem gesamten Prozess von Anfang an zu Grunde liegen muss. (Design) Sonst würde nach dem Urknall ein universaler chaotischer Zustand in dem beobachtbaren Universum die Folge sein Wenn man diese Überlegung ablehnt, bleibt als Ersatzlösung lediglich die Denkmöglichkeit, dass man ein permanentes Lotteriespiel gigantischen Ausmaßes annimmt, dass sich mit einer ständigen Abfolge von Universen ohne Anfang und Ende abspielt, wobei unserem Sonnensystem per Zufall eine Feinabstimmung beschert worden ist, die ein stabiles Gleichgewicht von Galaxien, Planeten und Sonnensystemen zulässt. Doch diese Annahme überschreitet die Kompetenz naturwissenschaftlicher Betrachtungsweise. Auch wenn dieses von einigen Kosmologen wie M.Rees bestritten wird.
Die Frage nach dem Warum der Feinabstimmung lässt sich naturwissenschaftlich nicht beantworten. Darüber gibt es unter Fachleuten keine Diskussion.
Dennoch haben sich einige Physiker und Astronomen immer wieder bemüht, eine plausible naturalistische Erklärung für die Feinabstimmung der Naturkonstanten als Voraussetzung des anthropischen Prinzips zu entwickeln. So hat M.Rees in seinem Buch "Das Rätsel unseres Universums" (2006) erklärt, dass man eine Vielzahl von Universen annehmen könnte (Multiuniversum). In der Aufeinanderfolge dieser Universen, die alle durch einen Big Bang auf die Bühne des großen Welttheaters transportiert worden sind, hat die Erde als privilegierter Planet das Glück gehabt, Naturkonstanten in einem Sonnensystem anzutreffen, die eine für die Entstehung des Lebens kompatible Chemie ermöglicht hätten. Damit wäre das so genannte anthropische Prinzip nicht in einem Design eines übernatürlichen intelligenten Schöpfers sondern einzig und allein im Zufallsspielen eines Vielwelten-Universums erklärbar. Wie sich schon gezeigt hat ist die Position bei.R.Dawkins fast deckungsgleich mit der von Rees. Doch Dawkins hat gewisse Bedenken, sich der Spekulation eines Multiversums hinzugeben. Ihm genügt es, in dem beobachtbaren Universum unseres Sonnensystems ein Lotteriespiel unter einer Million Planeten anzunehmen, von denen die Erde als einziger über das anthropische Prinzip verfügt. Doch die Argumentation von Rees und Dawkins läuft auf einen Zirkelschluss hinaus. Denn die These, dass das anthropische Prinzip nicht mit dem Design eines intelligenten Schöpfers im Zusammenhang steht, wird bei Rees mit der Annahme eines Vielwelten Universums begründet, dessen Existenz noch gar nicht bewiesen ist. Und Dawkins geht bei seiner Argumentation von der Annahme aus, dass unter einer Million Planeten ein Lotteriespiel stattgefunden hat, wobei die Erde das Glück hatte, das große Los zu ziehen. Tatsache ist jedoch, dass die Naturkonstanten in unserem Sonnensystem überall dieselben sind Nur die speziellen Bedingungen unserer Erde sind insofern privilegiert, als diese bezüglich Temperatur-und Druckverhältnisse, Sommer- und Winter- Rhythmus, Sauerstoffanteil in der Luft etc. auf anderen Planeten nicht anzutreffen sind. Doch dies hat mit einem universalen Lotteriespiel im gesamten Universum, soweit wir es beobachten können, nichts zu tun. Insofern liegt der Argumentation von Dawkins auch ein zirkuläres Denken zu Grunde.
Doch ein zweiter, noch schwerwiegenderer Einwand lässt sich nicht weg- diskutieren. Für Rees wie auch für Dawkins ist es ein Beweis für den privilegierten Status der Erde, dass es intelligente Beobachter gibt, die über das Zustandekommen der Naturkonstanten und über die Beschaffenheit des Universums nachdenken können. Wenn es diese intelligenten Beobachter nicht gäbe, so schließen Rees und Dawkins, könnte man nicht annehmen, dass die auf unserer Erde anzutreffenden chemischen Bedingungen die Entstehung von Leben wie auch von intelligenten Beobachtern ermöglicht hätten. Doch damit ist das Problem nur verschoben. Denn unklar bleibt, wie überhaupt die lebensfreundlichen Bedingungen auf der Erde entstanden sind. Und was den intelligenten Beobachter angeht, so bleibt das Problem ungelöst, wie denn dieser entstanden ist, mit Intelligenz, freiem Willen und Ichbewusstsein. Denn in der Biologie und Bewusstseinsforschung hat man sich daran gewöhnt, das Bewusstsein des Menschen als ein emergentes Phänomen einzustufen, dessen Entstehung nicht erklärt werden kann. So ist theoretisch der Fall denkbar, dass der lebensfreundliche Planet Erde zwar die Entstehung von Pflanzen und Tieren ermöglicht aber nicht die eines intelligenten Beobachters. So endet die Argumentation von Rees und Dawkins auch hier in einem Zirkelschluss. Denn es konnte bisher nicht bewiesen werden, dass die mit den Naturkonstanten gegebenen natürlichen Kräfte in der Lage waren,in eiem ungerichteten Evolutionsprozess ausser Pflanzen uns Lebewesen auch intelligente Beobachter hervorzubringen.
Eine besonders elegante Lösung des Problems, welcher Mittelweg zwischen Schöpfungsplan und Zufall möglich ist, wurde von dem Kosmologen Smolin vom Perimeter Institut vorschlagen. Smolin spekuliert, dass eine "kosmische Evolution" stattgefunden hat, die die Naturkonstanten in unserem Sonnensystem auf lebensfreundlichen Bedingungen hin selektiert hat. Er argumentiert: so oft ein schwarzes Loch entsteht - etwa durch eine Supernova-Explosion - entsteht in dessen Zentrum eine "Singularität", ein Zustand ähnlich wie beim Urknall. So könnte in einer Urexplösion ein neuer Kosmos hervorgegangen sein. Mit ihrer neuen Urexplosion in einem Sonnensystem werden neue Naturkonstanten produziert. So erhöht sich allmählich die Wahrscheinlichkeit, dass irgendwann auch ein lebensfreundlicher Kosmos entsteht, mit dem feingetunten Design des Planeten Erde. Auf dem Wege des "Kosmös Darwinismus" rückt dann auch die Entstehung von Leben in den Bereich des Möglichen. Und da es auf der Erde intelligente Beobachter gibt, hätte dieser Phasenübergang aus zufallsbedingten Prozessen in den Zustand eines privilegierten Planeten schon stattgefunden. Der Beweis ist eben die Existenz intelligenter Beobachter. Dies ist zwar eine elegante Lösung aber nichtsdestoweniger ein Zirkelschluss. Der Vorteil in diesem kosmologischen Weltbild ist die Tatsache, dass die Menschen, die auf diesem Planeten leben, wissen, welchem Prozess . "kosmologischer Selektion"sie ihre Entstehung verdanken : das Universum hat uns gewissermaßen im Laufe der Jahrmillionen für unseren Auftritt.. die Bühne bereitet Die Frage, warum wir als Menschen überhaupt da sind, bleibt aber offen. Die Antwort auf diese Frage kann nicht schon das bloße Ergebnis "kosmischer Selektion" sein. Bei Smolin wird das Problem der Entstehung von neuen kosmischen Gebilden nur zurückgereicht in jenen Urkosmos, in dem das erste schwarze Loch entstanden ist.-oder in die Ewigkeit, von der wir keinen Begriff haben. Auch der Kosmologe Ales Villenkin geht ähnlich wie Smolin von der unendlichen Abfolge von Universen aus, die alle auf einen singulären Big Bang zurückzuführen sind. Doch das Problem bleibt dasselbe. Wer hat die Abfolge der unterschiedlichen Big Bang inszeniert und wer ist dafür verantwortlich, dass mit jedem dieser Big Bangs ein unterschiedliches Verhältnis der sogenannten Naturkonstanten zustandekommt?
Fazit: das Spekulieren mit der Zeit, die in unendlichen Abfolgn von kosmischen Prozessen auch die unwahrscheinlichsten Gebilde hervorbringt, mündet in einem Paradoxon : wenn der globale Regisseur nicht intelligent gewesen ist und nicht einmal einen Plan, ein Design gehabt hat, wie aus schwarzen Löchern neue kosmische Konstellationen, möglicherweise mit privilegierten Planeten entstehen können, so bleibt zu fragen, wie der bloße Zufall als Motor der Ereignisse in und um die schwarzen Löcher auf einem der Planeten den intelligenten Beobachter hat entstehen lassen, ohne den das Spekulieren über "kosmischen Darwinismus" nicht möglich wäre. Am Ende bleibt die kritische Feststellung, dass derartige Spekulationen die Grenzen zwischen Realität und Wunschvorstellungen verschwinden lassen.
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